Bietigheimer Zeitung | 11.03.2014 - 09:00

Lieber pfeifen als kicken

Foto: Sabine Dettling

Rihane Dogan aus Bietigheim-Bissingen war württembergische Meisterin im Basketball und Auswahlspielerin des Württembergischen Fußball-Verbandes. Nun muss die Fußball-Karriere einer neuen Leidenschaft weichen: der Schiedsrichterei.

Mit zwölf Jahren war Rihane, genannt Rio, Leistungsträgerin der Basketball-Mädchen der BG VfB Tamm/TSV Bietigheim. Mit der U 12 gewann sie die württembergische Meisterschaft, um im Jahr darauf die Fußballschuhe für die neu gegründeten B-Juniorinnen des FSV 08 Bissingen zu schnüren. "Fußball war mein Hobby", erinnert sich das Ballsport-Talent, "also wollte ich mein Glück im Verein versuchen."

Als 15-Jährige war die Aramäerin die erste Fußballerin des FSV in der Auswahl des Württembergischen Fußball-Verbandes. Ihr damaliger Trainer hatte sie für die Fördergruppe des Bezirks Enz/Murr angemeldet. Nach zwei Sichtungen wurde sie für die württembergische U-15-Auswahl nominiert und absolvierte unter anderem in Oberhaching und in Karlsruhe Spiele gegen andere Auswahlteams.

Als sich ihre Bissinger Mannschaft wegen Spielermangels auflöste, wechselte Dogan zum FV Löchgau. Zwei Jahre kickte sie mit den B-Juniorinnen in der Oberliga und hatte die Chance auf eine Nominierung für den DFB-Juniorinnen-Länderpokal. "Aber das habe ich nicht geschafft", so Dogan, die "einfach nur Spaß haben" und sich nicht auf dieses eine Ziel hin quälen wollte. "Dann hätte ich wohl auch vom FV Löchgau weggehen müssen, und das wollte ich nicht." Sie ist dennoch zufrieden mit dem Erreichten. "Ich habe spät angefangen mit Fußball und bin trotzdem so weit gekommen."

In der Hinrunde der laufenden Saison war sie für die Regionalliga-Mannschaft des FV Löchgau aktiv, doch in der Rückrunde wird sie die zweite Mannschaft, die in der Regionenliga spielt, verstärken.

Die Entscheidung, künftig vier Ligen tiefer zu spielen, hat einen Grund: Seit nicht einmal einem Jahr sorgt die 17-jährige Gymnasiastin auf dem Platz für Recht und Ordnung. "Pfeifen macht mir mehr Spaß, da bleib ich dabei", sagt das Fußball-Talent, das nun mit der Schiedsrichterei eine neue Passion gefunden hat.

Im September 2013 pfiff Dogan ihr erstes Spiel. "Das waren kleine Jungs, die D-Jugend von Gemmrigheim", blickt sie auf ihre Premiere an der Pfeife zurück. "Das war entspannt, lief gut und hat mir Spaß gemacht." Ihre Paten von der Schiedsrichter-Gruppe Ludwigsburg waren bei ihren ersten drei, vier Spielen immer dabei. "Das hat mir sehr geholfen." Inzwischen leitet sie Spiele der männlichen und weiblichen B-Jugend und der Frauen-Bezirksliga. Ende März steht das erste A-Jugend-Spiel sowie ein Einsatz bei der C-Junioren-Leistungsstaffel auf Dogans Einsatzplan.

Ihre Erfahrungen sind bislang positiv. "Es gibt solche und solche, einige haben Respekt, andere schauen groß, dass eine Frau kommt, aber abgeschreckt worden bin ich noch nicht." Was von außen in das Spielfeld hineinschallt, kümmert Dogan nicht. Sprüche aus dem Nähkästchen der Neandertaler? "Gehen rechts rein und links raus". Ihr Umfeld sieht ihr neues Hobby positiv. "Meine Mutter sagte schon immer, dass ich diejenige war, die gesagt hat, wo es langgeht." Gerechtigkeit liegt Dogan sehr am Herzen, auf dem Fußballplatz wie außerhalb. Heutzutage, bedauert die junge Schiedsrichterin, sei Geld das A und O. "Egal wo - es geht immer nur um Geld. Alle sind so gierig, auch im Fußball. Nur wer Geld hat, erreicht was."

Wohin ihre Karriere noch führen soll, weiß sie selbst nicht so genau. "Ich bin bescheiden, habe keine großen Erwartungen, und was nach der Schule kommt, ist auch noch ein großes Fragezeichen", sagt die Schülerin des Sozialwissenschaftlichen Gymnasiums in Ludwigsburg.

Im nächsten Jahr steht die Abi-Prüfung an, und am Ende soll im Abi-Zeugnis eine gute Zwei stehen. Darum geht Rio, wenn sie nicht kickt oder pfeift, immer nur dann mit ihren Freunden zum Shoppen oder ins Kino, wenn sie nichts mehr für die Schule zu erledigen hat. "Schule hat immer Priorität." Deshalb hat sie nun auch keine Zeit mehr, weiter von ihren Erfahrungen als Schiedsrichterin zu berichten. Sie hat zwar gerade Faschingsferien. Aber sie "muss jetzt noch was für die Schule machen".

Quelle: Bietigheimer Zeitung vom 08.03.2014

verfasst von: Sabine Dettling (Bietigheimer Zeitung)
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