Bietigheimer Zeitung | 05.05.2009 - 12:21

Unerwartetes Wahlkampfthema: Löchgauer Gemeinderatsfraktionen nehmen Stellung zur geforderten Sportplatzerweiterung

Von allen vier Gemeinderatsfraktionen wird die Qualität der Jugendarbeit des FV Löchgau anerkannt. Bei der vom Verein geforderten Erweiterung der Sportanlage gibt es indes unterschiedliche Ansätze.

Der Fußballverein (FVL) braucht, um den Trainings- und Spielbetrieb für seine 350 Jugendliche aufrechterhalten zu können, dringend einen weiteren Sportplatz. Dies betonte FVL-Präsident Dieter Schuster in unserer gestrigen Ausgabe. Die Fraktionen im Löchgauer Gemeinderat - CDU, SPD, Freie Wähler (FWL) und der Verein Frauen für Löchgau (VFFL) - würdigen uneingeschränkt die Jugendarbeit des Vereins, die Umsetzung der geforderten Sportplatzerweiterung spaltet das Gemeinderatsgremium in zwei Lager.

Die CDU-Fraktion mit Erich Griesinger an der Spitze unterstützt die Forderung des Fußballvereins. "Der Verein übernimmt auch eine soziale Funktion in der Gemeinde und setzt im Trainings- und Spielbetrieb praktische Integration um", betont Griesinger. Er verweist darauf, dass "zurecht der Vandalismus, zum Beispiel im Bürgergarten", beklagt werde, Jugendliche durch die Betreuung in einem Verein aber nicht zu den Randalierern gehören. "Die CDU-Fraktion hat deshalb in der Haushaltsberatung den Antrag gestellt, im Investitionsplan 2010 die Summe von 800 000 Euro für die Sportplatzerweiterung einzustellen", so Griesinger. Dass dies von den anderen Gemeinderatsfraktionen und Bürgermeister Werner Möhrer abgelehnt wurde, kritisert der Christdemokrat: "Wir haben drei Millionen Euro in den Rücklagen, da ist eine Entnahme für so ein wichtiges Vorhaben gerechtfertigt."

Elisabeth Häberle (VFFL) bedauert, "dass das Thema in den Wahlkampf getragen wird". Für ihre Fraktion lobt sie die erfolgreiche Jugendarbeit des FVL, dessen schlüssiges Konzept und erkennt an, dass "das Aushängeschild Frauenfußball" einen Rasenplatz brauche. Die Sportplatzerweiterung sei bewusst nicht im Haushalt 2009 erwähnt, sie verweist aber auf die kommenden Nachtragshaushalts-Beratungen. Landsberger: "Wir wollen diese Aufgabe in den kommenden Jahren umsetzen, aber im Rahmen unserer finanziellen Möglichkeiten." Schließlich gebe es weitere Projekte in der Gemeinde, die finanziert werden müssen.

Gerade auf die Pflichtaufgaben "Sanierungsprojekte" und das "Kinderbetreuungskonzepts 2010" - mit der Entscheidung, die Kindergärten umzubauen, einen neuen Kindergarten oder ein Kinderhaus an zentraler Stelle zu bauen - verweist Heinz Schneider (FWL), der "die Arbeit des FVL schätzt". Diese sei auch in der Vergangenheit durch die Errichtung des Kleinspielfelds und der Erneuerung des Kunstrasenfelds unterstützt worden. "Der Verein hat Rückhalt im Gemeinderat. So wurden die Kosten für das Sportplatzkonzept sofort eingestellt", betont Schneider. Aber es gebe auch andere Vereine, und da nennt er den Musikverein und "Papageno", die gute Jugendarbeit machen und "außer der Jugendförderung keine Unterstützung erhalten". Das Anliegen des FVL will Schneider dennoch voranbringen: "Ich hoffe auf den Nachtragshaushalt und dass wir dann klar sehen, wie wir mit unseren Investitionen gebunden sind."

"Generell Respekt vor der Jugendarbeit des FVL" hat Thomas Makowiec (SPD), der die Problematik des Vereins anerkennt und "gewillt ist, nach besten Kräften den Verein zu unterstützen". Er bedauert aber "den Konfrontationskurs" und betont die schwierige Situation: Erst müssen die Plfichtaufgaben - Stichwort Kinderbetreuungskonzept, das erhebliche Mittel binde - erledigt werden, dann könnte man sich den freiwilligen Aufgaben zuwenden. "Lass uns das seriös durchplanen", habe er bereits vor einiger Zeit dem FVL-Präsidenten gegenüber betont, so Makowiec. So ein Projekt wie die Sportplatzerweiterung brauche einfach seine Zeit. "Der Haushalt ist kein Lehrbuch, an dem strikt festgehalten werden muss", erklärt Makowiec, und außerplanmäßige Ausgaben von etwa 40 000 Euro für die Planung der Sportplatzerweiterung seien möglich. Makowiec: "Die Vergangenheit hat gezeigt, dass man sehr schnell reagieren kann."

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