Bietigheimer Zeitung | 27.11.2009 - 10:08

Sorgen trotz Ehrung: FVL braucht Unterstützung der Gemeinde um Standard zu halten

Jährlich 20 000 Stunden leisten die Trainer und Betreuer des FV Löchgau, was den Verein zum Vorzeigeclub gemacht hat. Um diesen Standard zu halten, brauchen die Ehrenamtlichen bessere Rahmenbedingungen.

JÜRGEN KUNZ

Löchgau. Die 23-köpfige Funktionärsriege des rund 800 Mitglieder starken Fußballvereins hat mit der Schaffung einer straff strukturierten Führungsstruktur seine Hausaufgaben gemacht. Die knapp 50 Trainer und Betreuer für die 20 Jugendmannschaften mit über 350 Sportlern, die vier Aktiven-Teams und die Seniorenmannschaft sowieso, was dazu führte, dass der Württembergische Fußball-Verband (WFV) den FV Löchgau zu einem der 16 Bezirkssieger für den
erstmals ausgelobten Vereins-Ehrenamtspreis kürte (wie berichtet). „Der Ehrenpreis ist eigentlich die Darstellung unserer täglichen Arbeit“, betont Jürgen Gauger, FV-Vorsitzender für den Bereich Finanzen und Vorsitzender Alfred Gramling ergänzt: „Wir haben zwar den Erfolg, aber mit unwahrscheinlich großem Aufwand.“

Fürwahr, den Aufwand den Jugendleiter Dietmar Buck für die Trainingsbelegung der beiden Fußballplätze und des Kleinspielfelds – wobei einer der großen Plätze nur von April bis September genützt werden kann – und die Einteilung der sieben Umkleidekabinen betreibt, gleicht einer logistischen Herkulesaufgabe. Das Ergebnis seines Einsatzes
bleibt dabei ernüchternd: Jede Mannschaft kann nur jeweils ein halben Platz fürs Training nutzen, die Zeit in den Umkleidekabinen ist minutiös geregelt. Dies kommt zwar zwangläufig den formulierten Vereinszielen entgegen, wonach der Fußballverein neben der Talentförderung jedes Einzelnen, engagierte, zuverlässige und teamfähige
Jugendliche heranziehen und ihnen Werte wie Aufrichtigkeit, Fairness und Toleranz im Umgang miteinander vermitteln will. Die Vereinsarbeit an der Kapazitätsgrenze führte aber im vergangenen Jahr auch dazu, dass die Verantwortlichen die Meldung einer weiteren Aktivenmannschaft ablehnen musste. 

Da ist trotz Ehrenamtspreis ein gehöriges Maß an Frust bei den Löchgauer Funktionären zu spüren. „Wir gehen zurzeit den steinigsten Weg unsere Vereinsgeschichte und fühlen uns von der Gemeinde, aber auch von den Verbänden allein gelassen“, sagt Alfred Gramling im Gespräch mit unsere Zeitung. Man habe den sportlichen Erfolg, aber das Umfeld von Verlierern, so Jürgen Gauger: „Wir wollen unter Standard-Bedingungen den Jugendlichen eine Perspektive und ein gutes Umfeld bieten können.“ Gramling bringt die jährlich von seinen Vereinstrainern und -betreuern ehrenamtlich geleisteten 20 000 Stunden in eine gesellschaftliche Relation: „Dieser Einsatz entspricht dem Aufwand, den eine Kommune für mindestens zehn Sozialarbeiter aufbringen müsste.“ Bei einem durchschnittlichen Stundensatz von rund 44 Euro, die eine Gemeinde für eine Sozialarbeiter-Stelle ansetzen muss, ergibt Gramlings Rechenexempel die beachtliche Summe von 890 000 Euro, die sein Verein für die Allgemeinheit leistet.

Bereits im Mai hat der FV Löchgau sein Anliegen zur Erweiterung der Trainingsflächen öffentlich formuliert, was sich dann zum Wahlkampfthema im Vorfeld der Gemeinderatswahl am 7. Juni ausweitete. Viel vollmundige Zustimmung
erhielt der Verein zu diesem Zeitpunkt, Handfestes vermissen die Vorsitzende allerdings. Jetzt hofft der FV-Vorstand auf ein Gespräch mit Bürgermeister Werner Möhrer, das in der kommenden Woche geführt wird. Der Verein hat zwischenzeitlich die Konzeption zur Sportplatzerweiterung und einem Anbau an Sporthalle – mit acht Umkleidekabinen und vier Duschräumen – über arbeiten lassen, mit dem Ergebnis, dass der Investitionsrahmen von knapp einer Million auf rund 700 000 Euro reduziert werden könnte. Gramling: „Es muss doch möglich sein, eine solche Summe über drei Jahre hinweg zu finanzieren.“ Dabei ist er sich den Auswirkungen der Wirtschaftskrise auf die Kommunen bewusst, stellt aber gleichzeitig die provokante Frage, was wohl in der Gesellschaft passiere, „wenn wir eine Ehrenamtskrise bekommen und die Ehrenamtlichen frustriert aufgeben“.

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