Neckar- und Enzbote | 27.11.2009 - 09:55

„Der FV Löchgau ist kein normaler Verein“

Der FV Löchgau gilt als Vorzeigeverein in der Region; vor allem was das Ehrenamt angeht, sind die Löchgauer spitze. Deshalb ist der FVL jetzt vom Württembergischen Fußballverband mit dem Vereinsehrenamtspreis ausgezeichnet worden. Vorsitzender Alfred Gramling erzählt im Gespräch mit der Neckar- und Enzbote, warum ihn das nicht überrascht hat.

Herr Gramling, was wäre der FV Löchgau ohne seine ehrenamtlichen Helfer?
Alfred Gramling: Ohne das ehrenamtliche Engagement würde es den FV Löchgau nicht geben. Deshalb bin ich so stolz darauf, mit welcher Begeisterung die vielen Ehrenamtlichen ihre Aufgaben hier erfüllen.
Das behaupten sicher viele Vorsitzende von ihrem Verein. Aber was unterscheidet den FV Löchgau von diesen?
Die Leidenschaft und die Vielschichtigkeit – dafür haben wir auch die Auszeichnung vom Württembergischen Fußballverband bekommen. Wir sind nicht nur erfolgreich im Leistungs-, sondern auch im Breitensport, organisieren neben dem Fußball Ferienprogramme, Kleiderbörsen oder Putzaktionen. 80 Prozent unserer Trainer haben eine Lizenz, das ist nicht selbstverständlich.
Es spricht sich natürlich auch herum, dass die Ausbildung bei uns sehr gut ist. Das zeigt sich schon daran, dass alle unsere Fußballmannschaften doppelt besetzt sind.
Dann hat Sie die Auszeichnung wohl nicht sonderlich überrascht? Immerhin war die Konkurrenz groß: 95 Fußballvereine haben sich beworben, nur 16 sind ausgezeichnet worden.
Überrascht war ich nicht, denn wir sind kein normaler Fußballverein. Neben dem Erfolg ist uns der Familiengeist sehr wichtig, deshalb ist es für uns auch kein Problem, einen solchen Preis zu gewinnen. Da sind wir immer vorne mit dabei.

Wie war denn der Preis dotiert?
Insgesamt haben wir 5000 Euro bekommen. Davon 1000 Euro Bargeld und Sachpreise wie Trikots, Bälle und ein Wochenende für 20 Ehrenamtliche im Hotel des Fußballverbandes.

Wie viel ehrenamtliche Helfer engagieren sich beim FV Löchgau?
Von unseren 820 Mitgliedern sind etwa ein Drittel im Vereinsleben ehrenamtlich aktiv. Allein im Jugendbereich haben wir rund 50 Helfer. Die leisten insgesamt 20 000 Arbeitsstunden pro Jahr. Das entspricht zehn bis zwölf Sozialarbeiterstellen.Angesichts knapper Vereinskassen fällt es doch sicher schwer, den Ehrenamtlichen angemessen zu danken. Da kommen wir tatsächlich an unsere Grenzen. Das Ehrenamt ist unbezahlbar. Wichtig ist jedoch, dass wir den Helfern das Gefühl geben, dass sie gebraucht werden. 

Davon können sich die Jugendtrainer aber auch keine neuen Fußballschuhe kaufen.
Das stimmt, da sehe ich auch großen Handlungsbedarf. Wir würden wenigstens gerne die Auslagen der Jugendtrainer übernehmen, wenn sie zum Beispiel zu Auswärtsspielen fahren. Aber dafür fehlt uns das Geld. Wir würden gerne auch mehr auf die Jugendlichen eingehen, das Gespräch mit ihnen suchen und ihnen noch stärker Werte wie Disziplin und Toleranz beibringen. Wenn wir dort ansetzen, hätten es auch die Trainer leichter. Alleine schaffen wir das alles aber nicht, deswegen sehe ich auch die Politik in der Pflicht. 

Es ist aber nicht die Aufgabe der Gemeinde Löchgau, Ihren Trainern neue Fußballschuhe zu sponsern.
Nein, aber Gemeinde, Landkreis, Verbände bis hin zum Deutschen Fußballbund müssen dafür sorgen, dass das Umfeld stimmt. Ich habe den Eindruck, dass viele dort noch nicht begriffen haben, was es bedeutet, für 350 Jugendliche ehrenamtlich, zum Nulltarif, tätig zu sein. In vielen Sonntagsreden wird die Arbeit zwar sehr gelobt, wenn es aber um Zuschüsse speziell im sehr aufwendigen Jugendfußballbereich geht, verstummen die Stimmen meist sehr schnell.

Was fordern Sie konkret, zum Beispiel von der Gemeinde Löchgau?
Wir brauchen vernünftige, zeitgemäße Umkleide- und Schulungsräume und die Trainingsmöglichkeiten müssen verbessert werden. Deshalb sind auch unsere dringend geforderten Rasenplätze unabdingbar. Stimmt das Umfeld nicht, schmeißen viele Ehrenamtliche irgendwann das Handtuch – das dient der Gesellschaft sicher nicht.

Das Gespräch führte Christina Kehl von der LKZ

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